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Wahrzeichen in der Warteschleife

EZ Bericht: Wahrzeichen in der Warteschleife

Esslingen: Hohe Sanierungskosten stehen bislang einer neuen Nutzung im Wege – Ideen unserer Leser sind gefragt

Von Alexander Maier

Hoch über der Altstadt thront er wie zu seinen besten Tagen – der Dicke Turm, der einst ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war. Doch wer etwas genauer hinschaut, merkt rasch, dass das Wahrzeichen der Stadt schon bessere Zeiten erlebt hat. Seit der bisherige Pächter des Lokals „Dicker Turm“ ausgezogen ist, geht gastronomisch gar nichts mehr. Die Esslinger haben ihren Dicken Turm nicht vergessen. Viele kommentieren es mit Kopfschütteln, dass sich bislang keine angemessene Nutzung finden ließ, bei Facebook hat sich eine Gruppe gebildet, die über die Zukunft des historischen Gemäuers diskutiert. Aber vielleicht haben ja die Leser der Eßlinger Zeitung die zündende Idee und wissen, was aus dem Dicken Turm werden könnte. Deshalb sammeln wir nun Vorschläge, die die Lokalredaktion der Stadtverwaltung vorlegen wird.

Einst ein Ort gepflegter Gastlichkeit
Ende 2011 waren im Dicken Turm die Lichter ausgegangen, weil allein in die Küche rund 300 000 Euro zu investieren waren – zu viel für die damaligen Pächter der Gaststätte. Die Stadt hatte zunächst versucht, geeignete Nachfolger zu finden, und wie man hört, soll es durchaus Interessenten für das Traditionslokal gegeben haben, das lange Zeit als Ort gepflegter Gastlichkeit gegolten hatte. Doch an den vertraglichen Konditionen schieden sich die Geister: In die Küche und andere gastronomische Bereiche hätten mögliche neue Pächter zwar investiert, doch den größten Teil der Sanierungskosten wollten sie der Stadt überlassen. So hatte der zuständige Ausschuss des Esslinger Gemeinderates vor Jahresfrist entschieden, die Suche nach einem neuen Pächter vorerst einzustellen – angesichts geschätzter Sanierungskosten von mehr als zwei Millionen Euro sah man keine andere Möglichkeit. Seither herrscht der große Stillstand – und Rathaus-Sprecher Roland Karpentier sieht keine Anzeichen, dass sich daran so rasch etwas Entscheidendes ändern wird: „Der eine oder andere Verein hat angeklopft, ob er die Räume nutzen könnte.

Aber die hohen Sanierungskosten machen es schwer, einen passenden Partner zu finden. Für die Stadt steht angesichts der anstehenden Investitionen in Schulen, Straßen, Brücken und anderer zentraler Aufgaben fest, dass wir für die Sanierung des Dicken Turms keine Kredite aufnehmen werden.“ Der Eigenbetrieb Städtische Gebäude Esslingen (SGE) werde sich jedoch um die Bestandssicherung kümmern. Für weitergehende Investitionen in einen zweiten Fluchtweg, energetische Maßnahmen oder die Verlängerung des Aufzugs sieht Karpentier derzeit keine Spielräume.

Dabei würde er sich freuen, wenn sich vielleicht doch noch ein unerwartetes Türchen auftun würde: „Solch ein Gebäude leer stehen zu lassen, ist natürlich nicht gut.“ Diesen Eindruck teilen viele Bürger. „Als gebürtige Esslingerin und als absoluter Fan unserer schönen, mittelalterlichen Stadt kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln. Wie viele Städte haben denn solche Gebäude vorzuweisen?“, fragte eine Leserin, als die EZ vor Jahresfrist meldete, dass der Dicke Turm im Wartestand bleibt. Und ein anderer beklagte: „Über kurz oder lang wird der Dicke Turm zur Ruine werden. Gleichzeitig wird, gefördert vom Land und anderen Sponsoren, der Seilergang restauriert. Widersprüchlicher geht’s wohl nicht. Es muss ja nicht unbedingt eine Gastwirtschaft im Dicken Turm betrieben werden.“

Ähnliche Äußerungen finden sich auch auf den Seiten einer eigens gegründeten Facebook-Gruppe, wo zu lesen steht: „Der Dicke Turm, das Wahrzeichen der Stadt, liegt derzeit brach und verlottert. Eine Unzahl von auswärtigen Besuchern, die die Burg besuchen, steht vor verschlossenen Toren und zieht kopfschüttelnd von dannen (haben wir selbst erst vor wenigen Tagen erlebt). Welches Potenzial verschenkt die Stadt damit?“

IDEEN FÜR DEN DICKEN TURM
Unsere Zeitung möchte nun die EZ-Leser ins Spiel bringen. Wenn Sie Ideen haben, was aus dem Dicken Turm werden könnte, schreiben Sie an die Eßlinger Zeitung, Stichwort „Dicker Turm“, Marktplatz 6 in 73728 Esslingen und notieren Sie Ihre Vorschläge und für Rückfragen auch Ihre Kontaktdaten.

Ihre Vorschläge können Sie auch per E-Mail senden an lokales@ez-online.de, Stichwort „Dicker Turm“. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich unter www.esslinger-zeitung.de im Kommentarbereich zu diesem Beitrag an der Diskussion zu beteiligen.

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Als Postkarten-Motiv ist der Dicke Turm sehr beliebt, doch für seine gastronomische Wiederbelebung zeichnet sich derzeit keine Lösung ab. F oto: Bulgrin

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