Grünes Licht für Di­cken Turm.

Esslingen packt die Sanierung seines Wahrzeichens an – Ein Wahrzeichen wird wiederbelebt – Stadträte geben grünes Licht für erste Sanierungsetappen am Dicken Turm – Dank an viele Spender

Viele Esslinger erinnern sich noch gut an jene Zeit, als ein Besuch im Dicken Turm ein ganz
besonderes Erlebnis war. Doch das ist lange her. Seit die dortige Gastronomie Ende 2011 die Segel strich, liegt
das Gebäude im Dornröschenschlaf. Das soll sich nun ändern: Der Betriebsausschuss Städtische Gebäude hat am
Mittwoch einen Grundsatz- und Planungsbeschluss für den ersten und zweiten Bauabschnitt gefasst und die
Planung und Kostenermittlung für einen dritten Abschnitt in Auftrag gegeben. Kommenden Montag hat noch
der Verwaltungsausschuss das Wort. In einem ersten Schritt soll die Burg stu be bis Ende 2020 wieder nutzbar
gemacht werden. Außerdem wird ein Aufzug eingebaut.

Lange Zeit schien es, als sollte beim Dicken Turm nichts vorwärts gehen. Eine veraltete Gebäudetechnik,
Probleme mit der Barrierefreiheit und hohe Investitionen für Renovierung und Brandschutz ließen die Stadt von
einer Wiedereröffnung Abstand nehmen. Viele Esslinger machten sich jedoch für „ihren“ Turm stark: Die eigens
gegründete Initiative Turmwächter und der Burgverein engagierten sich mit Nachdruck, Leserinnen und Leser
unserer Zeitung machten sich in einer EZ-Aktion Gedanken über die künftige Nutzung des Wahrzeichens.
Schließlich verabschiedete der Gemeinderat 2016 ein Sanierungs- und Instandhaltungskonzept für die Burg,
wonach die Stadt für den Erhalt der historischen Substanz inklusive „Dach und Fach“ des Dicken Turms
aufkommt. Die Innensanierung soll aus Spenden von Bürgern, Firmen und Vereinen finanziert werden. Und um
das Tempo zu forcieren, beschloss der Gemeinderat später, die Spenden durch die Stadtkasse verdoppeln zu
lassen. Das Engagement vieler Unterstützer zeigt Wirkung – erst kürzlich konnte OB Jürgen Zieger stolz
vermelden: „Die ersten eineinhalb Bauabschnitte sind inzwischen finanziert.“

Nun will die Stadt die Wiederbelebung des Turms in Angriff nehmen. Das große Ziel, das man in drei Schritten
erreichen will, ist klar: Sind alle drei Bauabschnitte fertig, können insgesamt bis zu 199 Personen das Gebäude
im zweiten und dritten Obergeschoss gleichzeitig nutzen. Die Kultur und Kongress GmbH Esslingen live, die
auch das Neckar Forum und das Alte Rathaus vermietet, arbeitet bereits an einem Nutzungskonzept. Für
Finanzbürgermeister Ingo Rust ist klar: „Die Miete soll erschwinglich sein.“ Eine feste Gastronomie wird es nicht
mehr geben. Wer den Dicken Turm für eine Veranstaltung mietet, kann entweder auf Bewirtung verzichten oder
einen externen Lieferanten beauftragen, wobei eine Liste möglicher Caterer vorgegeben wird. „Der Dicke Turm
ist ein spezielles Gebäude. Wer dort bewirten möchte, muss sich mit den Gegebenheiten auskennen“, erklärt
Rust.

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt, die 2016 auf knapp 600.000 Euro kalkuliert worden waren, dürften bis
zum anvisierten Baubeginn im Dezember 2019 auf knapp 700.000 Euro klettern. Dank einer 300.000-EuroSpende von Festo ist damit der erste Finanzierungsschritt bereits geschafft. Die Stadt hat die erste Sanierungs-Etappe in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt geplant: Zunächst werden bestehende Einbauten wie
die marode Küche entfernt. Die Fenster im zweiten Obergeschoss erhalten eine denkmalgerechte
Isolierverglasung, die dortigen Sanitärräume werden gerichtet und durch eine behindertengerechte Toilette
ergänzt. Als erster Fluchtweg aus der Burgstube wird das Treppenhaus ertüchtigt, ein zweiter Rettungsweg auf
den Seilergang wird neu gebaut. Zudem fordert der Brandschutz sein Recht. Läuft alles nach den Plänen der
Stadt, könnte die Burgstube Ende 2020 fertig sein.

Nachdem die Spenden munterer als erwartet sprudeln, will die Stadt rasch den zweiten Bauabschnitt angehen.
Dazu gehört die Entfernung des alten und der Einbau eines neuen Aufzugs bis ins zweite Obergeschoss. Die
Kosten waren 2016 auf 140.000 Euro taxiert worden, bis zum Baubeginn rechnet die Stadt mit 160.000 Euro. Da
der Burgverein aus Spenden von Bürgern und Firmen bereits 150.000 Euro gesammelt hat, bleibt nach dem
Spendenverdoppelungs-Modell der Stadt noch ein hübsches Sümmchen für den dritten Bauabschnitt übrig. Auf
der letzten Etappe soll der Bürgersaal im dritten Obergeschoss des Dicken Turms wieder für große
Veranstaltungen nutzbar gemacht werden. Dafür sind Auflagen von Baurecht und Brandschutz zu erfüllen.
Außerdem wird ein weiterer Personenaufzug vom zweiten ins dritte Obergeschoss nötig, um das Gebäude
komplett barrierefrei zu erschließen. Rund 660.000 Euro sind dafür kalkuliert. Da noch Geld im Spendentopf ist,
überlegt man im Technischen Rathaus, einen nötigen Deckendurchbruch vom zweiten ins dritte Obergeschoss
vorzuziehen und vielleicht sogar schon die geplante Treppe einzubauen.

Vertreter aller Fraktionen und Gruppierungen begrüßten es im Betriebsausschuss Städtische Gebäude, dass die
Stadt loslegt. Und sie bedankten sich wie Finanzbürgermeister Ingo Rust bei großen und kleinen Spendern für
die Unterstützung. Rena Farquhar (FDP) brachte die Stimmung im Gremium auf den Punkt: „Die städtische
Kulturkonzeption hat gezeigt, wie dringend wir die Räume brauchen. Der Dicke Turm ist ein tolles Symbol für die Stadt.“

13.03.2019
Von Alexander Maier

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