Mit Herzblut und Beharrlichkeit für das Wahrzeichen der Stadt.

Esslingen Turmwächter sammeln 40 000 Euro Spenden für Sanierung des Dicken Turms – OB lobt gutes Zeichen in Zeiten von Corona

Von Alexander Maier

Esslingen Als sie sich vor sechseinhalb Jahren zusammenfanden, hätten nicht viele darauf gewettet, dass Esslingens Dicker Turm in absehbarer Zeit wieder seine Pforten öffnen würde: Die dortige Gastronomie, die einst als Ort gepflegter Gastlichkeit untrennbar mit unvergesslichen Momenten im Leben vieler Esslinger verbunden war, musste ihre Segel streichen. Und der Sanierungsbedarf des Esslinger Wahrzeichens hatte sich mit den Jahren auf einen stattlichen siebenstelligen Betrag summiert, der durch hohe Brandschutz-Auflagen zusätzlich in die Höhe getrieben wurde. Für den klammen Stadtsäckel war das entschieden zu viel. Eine Handvoll engagierter Esslinger mochte sich damit jedoch nicht abfinden. Auf Facebook diskutierten sie leidenschaftlich, wie sich der Dicke Turm doch noch aus seinem Dornröschenschlaf wecken ließe. Und schließlich gründeten sie die Initiative Turmwächter, die von da an nicht mehr locker ließ. Viel wurde seither bewegt – mittlerweile hat die Stadt die Sanierungsarbeiten im Dicken Turm auf den Weg gebracht. Mit einem 40 000-Euro-Scheck wollen die Turmwächter das Vorhaben nun weiter beflügeln.

Die Initiative war in den vergangenen Jahren auf vielerlei Weise aktiv: Im Internet wurde diskutiert und mobilisiert, mit einer Unterschriftensammlung und mit zahlreichen originellen Aktionen sorgten die Initiatorin Petra Helmcke und ihre Mitstreiter dafür, dass der Dicke Turm nicht länger aus dem Fokus geriet – schließlich wurde aus der Initiative sogar ein eingetragener Verein. Und der hat in den letzten Jahren kräftig die Spendentrommel gerührt. Nun übergaben die Turmwächter einen Scheck über 40 000 Euro an OB Jürgen Zieger. Und weil der Gemeinderat inzwischen beschlossen hat, jeden gespendeten Euro für den Dicken Turm zu verdoppeln, stehen nun weitere 80 000 Euro bereit, um die Sanierung voranzubringen. Das Ziel der Stadt ist klar: Bis Jahresende sollen zumindest kleinere Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen in der Burgstube wieder möglich sein.

Wenn die Stadt einen derart stattlichen Spendenbetrag erhält, ist das für OB Jürgen Zieger stets ein Grund zur Freude. Doch in Corona-Zeiten bleibt das Lächeln notgedrungen hinter der Maske versteckt. Dafür sparte der OB nicht mit warmen Worten, als ihm die Turmwächter-Vorsitzende Petra Helmcke und ihr Ehemann und Schatzmeister Thorsten Helmcke nun den Scheck der Turmwächter überreichten. Zieger würdigte „das jahrelange Engagement der Initiative“ für den Dicken Turm, die dessen Schicksal durch unterschiedlichste Aktionen immer wieder in den Blickpunkt gerückt und damit wesentlich zur Entscheidung für eine Sanierung beigetragen habe. Dass sich so viele Menschen für das Esslinger Wahrzeichen eingesetzt haben, ist für Zieger der beste Beweis dafür, wie wichtig der Turm den Bürgerinnen und Bürgern ist. Der Scheck, den die Turmwächter nun überreichten, werde die Sanierung einen weiteren wesentlichen Schritt voranbringen, nachdem zuvor bereits rund eine halbe Million Euro an Spenden zusammengekommen war – nicht nur durch Großspender wie die Esslinger Wohnungsbau, die Firma Festo, die Familie Entenmann und den Burgverein, sondern auch durch viele Einzelspender. Esslingens Oberbürgermeister zeigte sich zuversichtlich, dass die Burgstube bis zum Jahresende ihre Türen wieder öffnen kann, und er hat das große Ziel fest im Blick: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass es uns auch gelingen wird, in überschaubarer Zeit den Hauptsaal für bis zu 200 Gäste wieder nutzbar zu machen.“

Eigentlich hätten die Turmwächter ihre 40 000-Euro-Spende gerne in größerer Runde überreicht, „um zu signalisieren, wie viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen sich für dieses Anliegen eingesetzt hatten“, betonte Petra Helmcke. Doch in Corona-Zeiten musste das freudige Ereignis im engsten Kreis begangen werden. Die Turmwächter-Chefin vergaß freilich nicht, an all jene zu erinnern, die den Erfolg erst möglich gemacht hatten: „Jede Spende ist uns gleich wertvoll – ganz egal, ob bei einem runden Geburtstag ein vierstelliger Betrag zusammenkam oder ob uns eine Seniorin durch den Kauf eines Turm-Souvenirs unterstützt hat.“

Entscheidend war für Petra Helmcke, dass zahlreiche Unterstützer von der Kreissparkasse und den Wengertern über die Malschule Das Atelier bis hin zur Nachbarstochter, die ihr Sparschwein geplündert hatte, gemeinsame Sache für das große Anliegen gemacht hatten: „In diesen 40 000 Euro stecken viel Herzblut und viel Schweiß.“ Für Thorsten Helmcke war das Zusammenwirken unterschiedlichster Kräfte ein Signal, das weit über den Dicken Turm hinaus strahlt und für den Gemeinsinn in Esslingen spricht: „Für uns Ehrenamtliche hat das viel Arbeit bedeutet. Aber es hat uns immer wieder beflügelt zu sehen, wie wichtig der Dicke Turm vielen Esslingern ist.“ Das macht den Turmwächtern Mut, dass es im Zusammenwirken aller Beteiligten gelingen wird, auch die Finanzierung der verbleibenden Sanierungs schritte zu bewerkstelligen. Für OB Jürgen Zieger kam der Besuch der Turmwächter im Neuen Rathaus jedenfalls zur rechten Zeit: „Gerade in Corona-Zeiten brauchen wir gute Zeichen, und das ist so eines.“

 

 

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